Shi Er Xing Quan

Shi Er Xing Quan   十二形拳   Die Zwölf Formen

Nach dem Erlernen der „5 Elemente“ kann man mit der Übung der „12 Formen” fortfahren.

Im Xingyiquan werden Formen und Eigenschaften von 12 Tieren angenommen. Dies sind die Arten: Drache, Tiger, Affe, Pferd, Falke, Huhn, Schwalbe, Schlange, Alligator, Tai, Adler, Bär.

Jede dieser Arten hat ihre eigenen, speziellen Fähigkeiten, die im Laufe der Evolution aus der Anpassung an ihren besonderen Lebensraum entstanden sind. „Die Lebewesen haben sich unter dem Einfluss der Naturgewalten verändert, und jede Art hat ihre Nische im Raum zwischen Himmel und Erde besetzt.“

Dennoch besitzt keine der Arten alle Möglichkeiten auf einmal; dem Vorteil in einer Sache steht in der Regel die Schwäche in etwas anderem gegenüber. Der Mensch ist die einzige Ausnahme von dieser Regel. Ein hohes Maß an geistiger Aktivität, die Fähigkeit tiefer Erkenntnis und Transformation, sowie ein einzigartig organisierter Körper mit ausgezeichneter Koordinationsfähigkeit und großem Kraftpotential erlauben es ihm, die Eigenschaften von wilden Tieren anzunehmen, um sein eigenes Wesen zu erhalten und zu verbessern. In der Praxis der 12 Tierformen lernt man die besonderen Fähigkeiten anderer Lebewesen anzunehmen, und so das Wesen der inneren Transformation zu verstehen.

Das Training der zwölf Formen stärkt Muskeln, Knochen, Bänder (Ligamente) und Sehnen, verbessert den Zustand der Blutgefäße, erhöht die körperliche Kraft und Vitalität, und harmonisiert den Geist und die Seele.

Shi Er Xing Quan und Wu Xing Quan sind miteinander verwoben und folgen einander wie Nadel und Faden: Wu Xing Quan ist die Nadel, Shi Er Xing Quan ist der Faden.

In den Fünf Elementen werden die Methoden und Prinzipien der Kraftentfaltung und -generierung geschult, in den Zwölf Tieren ist „das Prinzip/die Essenz von zehntausend (allen anderen) Formen“ enthalten. Durch die Anwendung der Qualitäten von Xingyi in den „12 Formen“ können die Techniken und Methoden der Selbstverteidigung sehr individuell, unvorhersehbar, und effektiv werden.

Die Form des Drachen   龍形   Long Xing

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One of the dragons from The Nine Dragons handscroll (九龙图/九龍圖), painted by the Song-Dynasty Chinese artist Chen Rong (陈容/陳容) in 1244 CE. Ink and some red on paper.

In der Drachenform gibt es die Posituren des herabstürzenden Drachen, des zum Himmel aufsteigenden Drachens, und die Methode des „Sammelns der Knochen“ (搜骨 Sou Gu). Die äußere Erscheinung des Drachen ist reines Yang, aber seine innere Natur ist reines Yin, weshalb sich in der Kampfkunst die Fähigkeiten und die Kraft der Drachenform aus dem Training des Yin entwickeln, dessen innere Bedeutung das Herabsinken des „Feuers des Herzens“ ist. Das Elixier-Buch sagt: „Der Drachen geht aus dem Feuer hervor“. Es sagt auch: „Wolken folgen Drachen, der Tiger erzeugt Wind“. Die Ausführung der Form beginnt mit dem Sinken von der Vertiefung an der Unterlippe in der Mundhöhle (Akupunkturpunkt Ren Mai-24) bis zur Verbindungsstelle der beiden Meridiane Ren Mai und Du Mai (durch den Qi in der Ausführung der Tigerform aufsteigt). Durch diese beiden Formen (Drache und Tiger) können die Rückseite und die Vorderseite, aufsteigende und absteigende Energie, Yin und Yang miteinander verbunden werden, „Feuer und Wasser wirken zusammen“. Das Winden und die spiralförmigen Drehungen in der Drachenform entwickeln außergewöhnliche Flexibilität und eine elastische Kraft, die nachgiebig aber dennoch sehr fest ist. Das Herabsinken des „Feuers des Herzens“ ist, bei korrektem Training, günstig für Körper und Geist; bei unkorrekter Durchführung der Form wird das Herz-Feuer aufsteigen, trübes Qi kann nicht nach unten sinken, und das Bewusstsein kann nicht klar sein. Durch ausdauerndes Üben wird sich ganz natürlich ein lebendiges Gefühl des Körpers und damit Verständnis einstellen.

Liu Dianchen:

Die herausragendste Eigenschaft des Drachen ist die Fähigkeit sich mühelos und frei auszudehnen und zu schrumpfen und unvorhersehbar seine Form zu wechseln. Die Klassiker sagen der Drache hat die Methode des „Sammelns der Knochen“ (搜骨 Sou Gu, Anm.: bezeichnet die Methode des Ein- und Ausfaltens/Schrumpfen und Ausdehnen des Körpers). Will man die Drachenform effektiv einsetzen um einen Vorteil zu erzielen, müssen Muskeln und Knochen sehr leicht beweglich sein, und man muss den ganzen Körper fühlen. Die hockende Position erfordert viel Kraft in den Beinen und beide Knie müssen besondere Anstrengung aufbringen. Beim Nach-oben-kommen ist mehr Kraft im unteren Rumpf (Yao), ohne diese vertikale Kraft des Rumpfes kann der Körper sich nicht ausdehnen und zusammenziehen, dieses bedarf auch der einheitlichen Kraft des Körpers.

Die Form des Tigers  虎形  Hu Xing

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Siberian Tiger, By Appaloosa [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0), from Wikimedia Commons

Der Tiger ist äusserst schnell und beweglich, kann aber auch geduldig im Versteck auf Beute warten. Seine Bewegungen sehen anmutig und behende aus, aber die Kraft seiner Sprünge streckt auch große Tiere nieder. Der Tiger wirft sich auf die Beute und reißt sie mit seinen Krallen. Äusserlich ist der Tiger sowohl die Verkörperung eines ruhigen Bewusstseins, als auch plötzlich herausbrechender elastischer Kraft. Die Tigerform trainiert insbesondere eine stossende Kraft, die vom Körper aus zu den Armen kommt.

Wenn die Form richtig ausgeführt wird, steigt reines Qi auf, der Geist ist ruhig und beobachtet nur die inneren Prozesse. Der äußerste Punkt des Steißbeins am hinteren medianen Kanal (Changqiang, GV1) steigt unmerklich an und fällt, wie sich ein wilder Tiger vor einem Sprung absetzt. Die Praxis dieser Form ermöglicht es, alle Energiekanäle und Blutgefäße zu öffnen, weil der Kanal “Dumai – die Quelle von Hunderten anderen Kanälen” ist; Wenn es für Qi gilt, dann sind auch alle anderen Kanäle passierbar.

Die Form des Affen  猴形  Hou Xing

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By Painting by Yi Yuanji (ca 1000-ca 1064) [Public domain], via Wikimedia Commons

Der Affe ist das lebhafteste Tier. Er klettert hervorragend, springt, steigt und gelangt überall hin, er huscht auf und ab, runter und rüber, und kann Äste zu sich heranziehen. Dem Menschen ist er nur in seiner Intelligenz unterlegen, und er übertrifft ihn in Geschicklichkeit und Beweglichkeit. Es sind diese Eigenschaften, die das Bild des Affen verkörpern. In seiner äußeren Form ist es ein Affe, der behende von Ast zu Ast klettert. Im Inneren ist es die Geschicklichkeit und Beweglichkeit, die natürliche Leichtigkeit des Bewusstseins. In antiken Abhandlungen über die Faustkunst wird gesagt, dass die Form des Affen die raffinierteste und die am  meisten virtuose ist.

Nach langem Üben konzentriert sich der Geist, und die Atmung wird leicht. Der Körper beginnt als Einheit zu wirken, die Bewegungen erhalten eine außergewöhnliche Flexibilität und Elastizität, das Blut zirkuliert ungehindert durch die Adern.

Die Form des Pferdes  馬形  Ma Xing

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Guansu, Flying Horse, Wikimedia Commons

Das Pferd ist der beste Helfer des Menschen, es ist immer aufrichtig und wird niemals hinterlistig sein. In der Kampfkunst gilt das Pferd deshalb als das edelste Tier. Das Pferd besitzt die Fähigkeit der schnellen Hufe. Es hat die Rechtschaffenheit „die Peitsche zu ertragen“. Es hat den Mut über Berge zu stampfen und über Bäche zu springen. Im Xingyi-Manual von Liu Dianchen (Sohn von Liu Qilan) heisst es:

Zur Form des Pferds sagen die Klassiker „Das Pferd hat die Fähigkeit Hufspuren zu machen“. Wenn das Pferd sehr schnell läuft, werden die Abdrücke der Hinterbeine die Abdrücke der Vorderbeine überholen. In der Ausführung der Pferdeform muss das hintere Bein nach unten drücken (蹬 Deng: auftreten, wie auf eine Bremse treten), das vordere Bein vorgehen (進 Jin: vordringen, hereingehen), das nach vorne drängen beruht auf der Kraft des hinteren Beins, dieser Schritt heisst deshalb „Schneller Schritt“ (疾步 Ji Bu).

Innerlich hat die Form des Pferdes ihren Ursprung in der aus dem Herzen (心 Xin) kommenden Intention (意 Yi). Wird das Prinzip „die Faust(-kunst) folgt der Intention befolgt, gelangt das solide Qi vom Unterbauch bis zu den Füßen, durch das Kräftigen des Nieren-Qi werden Muskeln und Knochen gestärkt; wird die Faust(-kunst) fehlerhaft ausgeführt, wird das verwirrte Yi das Qi schädigen, und Hände und Füße können nicht schnell agieren.

意诚而后心正

Ist die Intention wahrhaftig, wird das Herz aufrecht sein

Ein aufrichtiges Herz erzeugt innere Geradheit, die Kraft der inneren Geradheit wird in der Kampfkunst nicht fehlerhaft herauskommen. Beständiges Üben führt zu guten Ergebnissen.

Form des Alligators  鼉形  Tuo Xing

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Chinese alligator Shizhao2005年10月摄于杭州动物园 This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 1.0 Generic license.

Der Alligator ist die stärkste aller Amphibien. Er kann schnell auf der Wasseroberfläche schwimmen und schwere Beute unter Wasser ziehen. Stärke, Behendigkeit, Energie, Leichtigkeit und Gewandheit – diese Qualitäten verkörpert der Alligator. Die innere Qualität zeigt sich als ein kraftvoller Ausbruch von Stärke, von Natur aus unaufhaltbar und selbstbewusst.

Bei richtiger Ausführung werden Muskeln und Knochen gestärkt. Angespannte, verkürzte Muskeln werden flexibel und elastisch, zu schlaffe und schwache dagegen gestärkt. In der Abhandlung über die Faustkunst heißt das „Folge dem Willen des Himmels“. Reizbarkeit und Aggression werden gemindert, die Herzfunktion und die Verdauung normalisieren sich. Die Übung der Alligatorform ermöglicht es, die Energiekanäle zu „reinigen“, unreines Qi und stagnierende Energie zu transformieren und zu assimilieren.

Form des Hahnes  雞形  Ji Xing

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By Philip Pikart [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, from Wikimedia Commons

Der Hahn ist schnell in seinen Bewegungen, kann mit Leichtigkeit an Höhe gewinnen, ist aber gleichzeitig aufmerksam und ohne Eile. Er wird auch im Kampf gegen einen überlegenen Feind bis zum Ende kämpfen. Es sind diese Qualitäten, die das Bild eines Hahnes verkörpern. Als äußere Form – ein Kampfhahn, der auf den Feind springt. Als innere Qualität – die Bereitschaft, bis zum Ende zu kämpfen, in der inneren Essenz – Mut und Würde.

Die Form des Hahns ist wichtig, weil sie Schnelligkeit, Agilität, und schnelle Wechsel trainiert. Die Schritte des Hahns sind schnell und stabil. Der Schritt des Hahns (雞步 Jibu,  雞行步 Ji Xing Bu) entwickelt das grundlegende Gongfu der Beine und des unteren Abschnitts.

Bei richtiger Ausführung wird das zerstreute Ursprungs-Qi gesammelt und entlang der vier Gliedmaßen verteilt, die Bewegungen werden koordinierter.

Form des Falken  鷂形  Yao Xing

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By Bohuš Číčel (https://www.flickr.com/photos/bcicel/) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), from Wikimedia Commons

Der Falke ist ein tagaktiver Greifvogel. Sein Lebensraum ist die Luft. Er steigt in die Höhe, faltet seine Flügel und stößt wie ein Pfeil herab, kein kleiner Vogel kann ihm entkommen – im Gegensatz zu anderen Greifvögeln bewegt er sich meist im aktiven Flug. Wenn er in den Wald fliegt, manövriert er geschickt und nichts kann seinen Flug aufhalten.

Es werden viele Fähigkeiten in den Formen wie „der Falke stößt zum Himmel“ oder „der Falke fliegt in den Wald“ trainiert, etwa aufwärts drillen, oder nach vorne stoßen.

Die innere Qualität ist Geschicklichkeit und Wendigkeit, die innere Essenz ist Mut.

Wenn die Form richtig ausgeführt wird, wird das vorgeburtliche Qi wieder aufgefüllt. Verfeinertes Qi steigt auf, gröberes Qi geht nach unten. Der Körper wird leicht, die Bewegungen sind koordiniert und die Atmung ist gleichmäßig.

Form der Schwalbe  燕形  Yan Xing

Die Schwalbe – der lebhafteste, geschickteste und schnellste Vogel. Sie steigt in die Höhe und lässt sich fallen, kippt im Flug, folgt den Luftströmen und trinkt sogar Wasser, ohne den Flug  zu unterbrechen. Äußerlich verkörpert diese Form eine gleitende Schwalbe, die innere Qualität ist Agilität, ihr inneres Wesen – die Leichtigkeit des Herzens.

In der Form der Schwalbe trainiert man viele Arten von Bewegungen, hauptsächlich eine leichte, aber feste und solide Kraft, sowie rasche, tief abwärts gleitende Bewegungen.

Die korrekte Ausübung dieser Form ermöglicht Leichtigkeit und Genauigkeit der Bewegungen zu erreichen, und den Geist frei sein zu lassen. Energetisch ist die Form mit den Nieren und dem Herzen verbunden. Das „Wasser des Lebens“, das sich in den Nieren befindet, steigt auf und verbindet sich mit dem „Feuer des Herzens“.

Form der Schlange  蛇形  She Xing

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Coluber Caspius, By Kiril Kapustin [CC BY 2.5 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.5)%5D, via Wikimedia Commons

Die Schlange ist die beweglichste und flexibelste aller Reptilien, sie kann sich so weit biegen wie sie will, und wo sie hin will, wird sie durchdringen. Der Körper der Schlange kann sich sowohl einrollen als auch strecken, sich winden und drehen, ist sowohl weich als auch hart. Alle diese Eigenschaften der Schlange verkörpern sich in ihrer Form.

Die äußere Form ist die Schlange, die in der Bewegung eindreht, sich zu einer Kugel zusammenrollt und sich beim Angriff mit der inneren Gefülltheit aufrichtet. In antiken Abhandlungen heißt es, dass man, wenn man sich zwei ineinander verschlungene Schlangen ansieht, die Essenz der beiden treibenden Kräfte des Universums – Yin und Yang – verstehen kann, die die Physiologie des Organismus steuern.

Mit der richtigen Praxis wird der Körper (besonders der Bauch und die Taille) beweglich und flexibel, das reine Qi steigt auf und öffnet die äußeren Tore, das schwere Qi geht nach unten. Die Energie des „wahren Yang„, das die Grundlage aller Bewegung ist, beginnt sich zu zeigen – innerlich, als ob die Sonne scheint und ihr Licht durchdringt, Sonne und Mond scheinen im Herzen.

Form des Tai  形  Tai Xing

Über die Art dieses Tieres besteht kein Konsens. In manchen Schulen ist Tai ein Vogel aus der Familie der Tauben oder Falken, der mit den Flügeln schlägt und sich auf Beute fallen lässt; in anderen ist der Tai ein Fisch, und die Form ist mit den Schlägen des Schwanzes verbunden, in dritten ist er ein mythisches Geschöpf, das in unendliche Höhe steigen kann und von dort plötzlich auf die Erde stürzt.

Laut Meister Wu Zizhen ist Tai eine am Jangtse lebende Amphibie, die aufgrund der speziellen Form ihrer Pfoten die Ufer untergraben konnte.

Trotz dieser unterschiedlichen Meinungen sind Form und Interpretation in allen Schulen mehr oder weniger gleich. In dieser Form ähnelt die Manifestation der Kraftentfaltung einem Schlag. Aufsteigende Arme scheinen in den Himmel zu schnellen und in einem abwärts expandierenden Schlag wieder zu sinken.

Die Übung dieser Form wirkt sich positiv auf Leber und Lunge aus, stärkt die Bauchmuskeln und den unteren Rücken. Das Denken wird klarer, das Herz beruhigt sich, Dantian füllt sich,  und die Atmung wird leichter.

Kombinierte Praxis der Adler- und Bärenform (Yingxiong Heyan)

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By Christoph Müller (http://www.christophmueller.org) [CC BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0)%5D, from Wikimedia Commons

Der Adler ( 鷹 Ying ) wird der König der Luft genannt. Kein anderer Vogel kommt ihm gleich. Aus großer Höhe erkennt er die kleinsten Details, hält Ausschau nach Beute und greift unerbittlich an. Er schlägt nicht nur die Nagetiere auf der Erde, sondern auch kleinere Vögel in der Luft. Die äußere Form ist die des gleitenden Adlers, der durch seine innere Qualität und seine inhärente Natur – Schnelligkeit und Präzision, Geschicklichkeit und Aufmerksamkeit für Details – seine Beute schlägt. In der Adlerform trainiert man eine abwärts spaltende, schmetternde Kraft.

Der Bär ( 熊 Xiong ) sieht dumpf und träge aus, aber tatsächlich ist er klug und weise. Dieses Tier ist mächtig und furchtlos. Kein Wunder, dass er der König der Taiga genannt wird. In der Form eines Bären (Xiongxing) zeigt sich die Furchtlosigkeit, Stärke und Genialität dieses Tieres. In seiner äußeren Form ist es ein Bär, der sich zwischen den Bäumen bewegt, in seiner inneren Gefülltheit – Kraft und Einfallsreichtum, sein inneres Wesen – Entschlossenheit und Furchtlosigkeit. Die Form des Bären beinhaltet Ellenbogentechniken und eine charakteristische schüttelnde Kraft.

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© Francis C. Franklin / CC-BY-SA-3.0 [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, from Wikimedia Commons

Zusammengenommen klingen die Namen „Adler“ und „Bär“ genauso wie das Wort „Held“ („英雄 yingxiong„). Die gemeinsame Praxis der beiden Formen erlaubt es, den Kampfgeist des Adlers und des Bären zu erlangen. Bei dieser Trainingsmethode wechseln sich die Bewegungen der Form des Adlers und der Form des Bären in einer kontinuierlichen Folge ab. In der Form des Adlers manifestieren sich Härte und Kraft von außen, das heißt, der Anfang von Yang; Im Inneren steigt die Lebenskraft von den Nieren zum Gehirn auf (dank dem ein spirituelles Bewusstsein geboren wird), so dass sich der Beginn des Yin manifestiert. In der Form des Bären manifestiert sich der Beginn des Yin von außen, der Beginn des Yang wirkt im Inneren. Die gegenseitigen Übergänge von Yin und Yang in der gemeinsamen Praxis der beiden Formen sind Phasen des “einen Qi”.

Wir sagen, dass Yin und Yang zunehmen und abnehmen, aber das alles sind nur Phasen des Übergangs des einen  Qi.

Tao Lu

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