Quanpu: Yi Tong Lun – „Abhandlung zur Ganzheit“

岳武穆形意拳十要論

Yuè Wǔ Mù Xíng Yì Quán Shí Yào Lùn

“Yue Wumu Zehn Bedeutsame Abhandlungen zum Xingyiquan” wurden erstmals von dem in Kanada lebenden Mr. Liang, Shou-Yu in chinesischem Text mit englischer Übersetzung veröffentlicht.

In China ist der Text als Wumu Quanpu (武穆拳譜) schon wesentlich länger bekannt, die schriftlichen Aufzeichnungen gehen bis ins 17. Jh. und möglicherweise bis zum Dai-Klan zurück. Der Text wird dem gegen Ende der Song-Dynastie (960-1279) lebenden General Yue Fei (Yue Wumu) zugeschrieben, der ein berühmter Volksheld ist. Historisch ist diese Zuschreibung aber in keinster Weise belegbar. Es ist eher wahrscheinlich, dass der Text vor dem 17. Jh zwar bereits in mündlicher Überlieferung existierte, aber dann erst von verschiedenen Personen nach und nach schriftlich zusammengefasst wurde. Dies legt sowohl der unterschiedliche Schreibstil nahe, sowie die unterschiedlichen Inhalte, die von eher philosophischen und esoterischen bis zu medizinischen, militärischen, und auf die Kampfkunst bezogenen Inhalten reichen.

Da ich kein Sinologe bin, und mein Verständnis der Kampfkunst kein  hohes ist, stellt die Übersetzung die ich verfasst habe nichts weiter dar als einen Ausschnitt aus meinen persönlichen Nachforschungen, den ich mit anderen Praktizierenden gerne teile. Für Anmerkungen, Vorschläge und Korrekturen bin ich dankbar.

 

一。一統論

Yī. Yītǒng lùn

Eins. Abhandlung zur Ganzheit

 

從來散之必有其統也,分之必有其合也。以故天壤間四面八方,紛紛者各有其屬,千頭萬緖,壤壤者自有其源。蓋一本散為萬殊,而萬殊咸歸於一本,事有必然者。

Cónglái sàn zhī bì yǒu qí tǒng yě, fēn zhī bì yǒu qí hé yě. Yǐ gù tiānrǎng jiān sìmiànbāfāng, fēnfēn zhě gè yǒu qí shǔ, qiān tóu wàn xù, rǎng rǎng zhě zì yǒu qí yuán. Gài yī běn sàn wèi wàn shū, ér wàn shū xián guīyú yī běn, shì yǒu bìrán zhě.

Seit jeher muss das Zerstreute sich sammeln, das Geteilte muss sich verbinden. Deshalb hat das Vielfältige in dem weiten Raum zwischen Firmament und Meeresgrund Kategorien, tausend Enden und zehntausend Anfänge auf der Erde, alle haben ihren Ursprung. Aus einer Wurzel bilden sich zehntausend Zweige, und zehntausend Zweige gehören zu einer Wurzel, so ist es natürlicherweise.

 

且武事之論,亦甚繁矣。而要之,千變萬化,無往非勢,即無往非氣。勢雖不類,而氣歸一。

Qiě wǔ shì zhī lùn, yì shén fán yǐ. Ér yǒu zhī, qiānbiànwànhuà, wú wǎng fēi shì, jí wú wǎng fēi qì. Shì suī bù lèi, ér qì guī yī.

In der Theorie der Angelegenheiten des Kampfes findet sich dieses ebenso reichlich wieder. Entscheidend ist, dass tausend Wechsel und zehntausend Veränderungen nichts anderes sind als Positionen und Qi. Obwohl die Positionen unzählbar sind, so ist doch Qi eins.

 

夫所謂一者,從上至足底,內有臟腑筋骨,外有肌肉皮膚五官百骸,相聯而為一貫者也。破之而不開,撞之而不散。上欲動而下自隨之。下欲動而上自領之。上下動而中節攻之。中節動而上下合之。內外相連,前後相需,所謂一貫者,其斯之謂歟。

Fū suǒwèi yī zhě, cóng shàng zhì zú dǐ, nèi yǒu zàngfǔ jīngǔ, wài yǒu jīròu pífū wǔguān bǎi hái, xiānglián ér wéi yīguàn zhě yě. Pò zhī ér bù kāi, zhuàng zhī ér bú sàn. Shàng yù dòng ér xià zì suí zhī. Xià yù dòng ér shàng zì lǐng zhī. Shàngxià dòng ér zhōng jié gōng zhī. Zhōng jié dòng ér shàngxià hé zhī. Nèiwài xiāng lián, qiánhòu xiāng xū, suǒwèi yīguàn zhě, qí sī zhī wèi yú.

Bezüglich dessen,was man als Einheitlichkeit bezeichnet, so sind im Körper von oben bis zu den Fußsohlen innere Organe, Muskeln und Sehnen, äußere Muskulatur und Haut, fünf Sinnesorgane, sowie hunderte Knochen, die alle einheitlich verbunden zusammen wirken. Durch einen Schlag fällt es nicht auseinander, durch einen Treffer verliert es nicht den Zusammenhalt. Will man den oberen Teil bewegen, so folgt der untere Teil sofort nach. Will man den unteren Teil bewegen, so führt der obere Teil. Wenn sich Oben und Unten bewegen, so attackiert das mittlere Segment. Bewegt sich das mittlere Segment, sind oben und unten verbunden. Das Innere ist mit dem Äußeren verbunden, vorne und hinten wechselseitig zusammen wirkend, das ist wahrlich die Bedeutung dessen, was als ununterbrochen bezeichnet wird.

 

而要非勉強以致之,襲焉而為之也。當時而靜,寂然湛然,居其所而穩如山岳。當時而動,如雷如塌,出乎爾而疾如閃電。且靜無不靜,表裡上下,全無參差牽掛之意。動無不動,左右前後,並無抽址游移之形。洵乎若水之就下,沛然而莫之能禦,若火之內攻,發之而不及掩耳。不假思索,不煩擬議,誠不期然而然,莫之致而至,是豈無所自而云然乎。

Ér yào fēi miǎnqiáng yǐzhì zhī, xí yān ér wéi zhī yě. Dāngshí ér jìng, jìrán zhàn rán, jū qí suǒ ér wěn rú shānyuè. Dāngshí ér dòng, rú léi rú tā, chū hū ěr ér jí rú shǎndiàn. Qiě jìng wú bù jìng, biǎo lǐ shàngxià, quán wú shēn chà qiānguà zhī yì. Dòng wú bùdòng, zuǒyòu qiánhòu, bìng wú chōu zhǐ yóuyí zhī xíng. Xún hū ruòshuǐ zhī jiù xià, pèi rán’ér mò zhī néng yù, ruò huǒ zhī nèi gōng, fā zhī ér bùjí yǎn ěr. Bùjiǎsīsuǒ, bù fán nǐyì, chéng bù qī rán’ér rán, mò zhī zhì ér zhì, shì qǐ wú suǒ zì ér yún rán hū.

Es ist wichtig nichts zu erzwingen, die Reihenfolge einzuhalten. Wenn es Zeit ist ruhig zu sein, ist die Ruhe tief und kristallklar, gesammelt und stabil wie ein Berg. Wenn es Zeit ist sich zu bewegen, dann wie der Donner und wie ein Erdrutsch, raus schleudern so abrupt wie ein Blitzschlag. In Ruhe ist da nichts was nicht ruhig wäre, äußerlich und innerlich, oben und unten, mit einer Intention völlig ohne Zögern und Unregelmäßigkeiten. In der Bewegung ist nichts was sich nicht bewegt, linke und rechte Seite, vorne und hinten, ohne zu ziehen und mit der Gestalt rasch manövrieren. Es ist gerade so wie herabstürzendes Wasser, dem sich nichts entgegen stellen kann, und so als ob innerlich Feuer brennt. Beim Schuss ist es zu spät die Ohren zu bedecken. Ohne nachzudenken, ohne zu zögern, unbehelligt von jeder Absicht, aufrichtig ohne einen besonderen Plan zu haben, nichts beabsichtigen aber dennoch alles erreichen, wie könnte man dies nicht als den natürlichen Weg bezeichnen?

 

蓋氣以日積而有益,功以久練而始成。觀聖門一貫之傳,必俟多聞強識之後,豁然之竟,不廢格物致知之功,是知事無難易,功惟自盡,不可躐等,不可急遽,按步就步,循次而進,夫而後官骸吱節,自有通貫,上下表裡,不難聯絡。庶乎散者統之,分者合之,四體百骸,終歸於一氣而已矣。

Gài qì yǐ rì jī ér yǒuyì, gōng yǐjiǔ liàn ér shǐ chéng. Guān shèng mén yīguàn zhī chuán, bì qí duōwén qiáng zhì zhīhòu, huòrán zhī jìng, bù fèi géwù zhì zhī gōng, shì zhīshì wú nányì, gōng wéi zìjìn, bùkě liè děng, bùkě jíjù, àn bù jiù bù, xún cì ér jìn, fū érhòu guān hái zhī jié, zì yǒu tōng guàn, shàngxià biǎo lǐ, bù nán liánluò. Shùhū sàn zhě tǒng zhī, fēn zhě hé zhī, sì tǐ bǎi hái, zhōngguī yú yīqì éryǐ yǐ.

Qi muss, um einen guten Nutzen zu haben täglich gesammelt werden, kontinuierlich muß Gong (Arbeit, Bemühung) über einen langen Zeitraum trainiert werden bis Resultate beginnen sich einzustellen. Durch stetes Bemühen erblickt man die heilige Pforte, nachdem man viel von dem Wissen gehört hat, plötzlich und unerwartet, in der Kultivierung nicht abweichend von dem durch Erfahrung gewonnenen Wissen; dann beginnt man zu verstehen dass diese Dinge nicht einfach oder schwer sind, die Fähigkeit stellt sich als Endpunkt ihrer selbst ein, nichts kann übersprungen werden, nichts kann beschleunigt werden; einen Schritt nach dem anderen tun und dabei die Reihenfolge einhalten, dann werden die Segmente, Organe und Knochen in Reihe eingefädelt, oben mit unten, äußerlich und innerlich ganz natürlich miteinander verbunden. Dann kann das zerstreute sich sammeln, das geteilte sich verbinden, die vier Gliedmaßen und hunderte Knochen werden sämtlichst zum einen Qi gehören.

 

Übersetzung: ©2018 Harald Alexander Kühn

Kategorien Allgemein, Quanpu

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