Häufige Fehler und deren Korrektur im Xingyiquan

Häufige Fehler und deren Korrektur im Xingyiquan

Teil I: Pi, Zuan, Beng, Long Xing

(Xingyi Quan Jishu Wenti Jiupian, Autor Li Chunguang); der Text wurde mit freundlicher Genehmigung von Joseph Crandall von seiner smilingtiger.net Webseite von mir aus dem Englischen übersetzt. Dabei habe ich den Text nach meinem gegenwärtigen Verständnis interpretiert, und da kein chinesisches Original vorliegt enthält diese Übersetzung sicherlich viele Abweichungen vom Original. Dennoch erschien mir der Text aufgrund  seiner konkreten Natur wertvoll für das praktische Training.

Xingyi Quan Jishu Wenti Jiupian, Autor Li Chunguang

Nach vielen Jahren aufmerksamen Beobachtens, habe ich festgestellt, dass viele Praktizierende des Xingyiquan aus Mangel an theoretischem Grundwissen oder fehlender Anleitung oft einige typische Fehler machen. Deshalb werde ich, aufgrund meiner eigenen Erfahrungen, diese häufig auftretenden Fehler in den Fünf Elementen und Zwölf Formen, und die Methoden, diese zu korrigieren, erläutern.

Xingyiquan hat 25 unterschiedliche Schrittmethoden. Mit jeder Schrittmethode können sämtliche Schläge in der fallenden und aufsteigenden Phase jedes Elements eingesetzt werden. Jede einzelne Technik aus einem Element kann benutzt werden, um nach vorne und hinten, nach links und nach rechts, sowie hoch, mittel, tief, usw. zu schlagen. Jede Richtung des Kompass kann erreicht werden. Unabhängig davon welche Technik mit welcher Schrittmethode benutzt wird, ob z.B. der Rhythmus schnell ist, ob ein hoher Stand eingenommen wird, oder Energie auf verschiedenen Wegen übertragen wird, dies alles leitet sich aus dem hypothetischen und dem realen Kampf mit einem Gegner her. Deshalb sollte man die Schlagtechniken Anderer nicht als den eigenen gleich ansehen, da dies ein Fehler wäre.

piquan
Piquan

Pi Quan Probleme:

1. Der Pi Quan Schlag wird zu einem hämmernden Schlag, oder der feste Punkt in der Handfläche der schlagenden Hand ist nicht mit dem Rest des Körpers verbunden.
2. Die Kraft des Unterkörpers ist geringer als die des Oberkörpers.
3. Die Kraft der hinteren Hand ist geringer als die der vorderen.
4. Die Schritttechnik ist langsamer als die Handtechnik.
5. Der erste Teil des Schlags wird zu Zuan Quan.
6. Santi wird nicht ausreichend geübt, weil man schnell Pi Quan lernen will.

Pi Quan Anforderungen:

Pi Quan wird nicht in erster Linie als Schlag benutzt, es dient der Schulung der Körpermethode und der Kraftübertragung auf einen anderen Körper. Dieser Schlag entwickelt seine Kraft aus dem Körperzentrum und nicht durch (gegen etwas) drücken. Die äußeren drei Verbindungen müssen vereint sein. Kein Teil darf zu leicht oder zu schwer, zu schnell oder zu langsam sein. Der vordere und der mittlere Abschnitt des Unterarms müssen fest sein. Die erste Faust im Piquan ist nicht Zuan Quan, sondern die Bären-Schulter. Das nach-oben steigen wird genutzt um die Hand des Gegners zu treffen. Umkanten, umfassen, zurückkommen, und Ziehen der gegnerischen Hand. Dadurch verliert er sein Gleichgewicht und fällt nach vorne oder lehnt nach hinten, nach links oder nach rechts. Der herauskommende Schlag der zweiten Hand benutzt Aufsteigen und Verwinden, sowie den Wechsel von Rütteln und Schlagen. Er beinhaltet verschiedene Energien. Der Schlag, raus- und reingehen, muss drillende und windende Kraft haben. Das erste Ziel von Pi Quan ist es, auf die Füße des Gegners einzuwirken, so dass er nach hinten fällt. Das zweite Ziel ist es, dass die Zehen des Gegenübers vom Boden wegwippen. Das letzte Ziel von Pi Quan ist, den Gegner auf die Knie und zum Boden zu bringen. Jede Aktion muss entschlossen, heftig, abrupt, giftig, bösartig ausgeführt werden.

Methoden zur Korrektur:

1. Santi gut üben. Dann kann Pi Quan gelernt werden.
2. Die Bewegungen des Körpers verlangsamen. Erst mit dem festem Schritt üben. Dann mit langsamen Schritten. Dann erst die schnellen Schritte üben.
3. Mehr Kraft in die erste Hand geben, wenn sie zurück kommt, nach unten zieht und presst.
4. Den Oberkörper mehr entspannen und den Unterkörper fester machen.
5. Die Geschwindigkeit des Steigens und Fallens der Füße erhöhen.
6. Der Schlag muss alle fünf Energien und die sechs Verbindungen beinhalten.
7. Die vier Gliedmaßen sollen wie Stützen sein. Kraft entfaltet sich aus den Schultern, Rücken, Brustkorb, Unterbauch, Hüften, und der Mitte des Rumpfes.
8. Mit den Energien der Fünf Elemente die Sehnen und Knochen trainieren. Die Muskulatur und die Haut muss mit Blut und Qi gefüllt sein.
9. Wenn alles obige erreicht wurde, muss die Dauer der Ausführung jeder Technik auf die Zeitspanne einer Sekunde verkürzt werden. Für das Steigen eine halbe Sekunde, und für das Fallen eine halbe Sekunde. Dazwischen kann man für zwei Sekunden innehalten.

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Zuanquan

Zuan Quan Probleme:

1. Zuan Quan wird zur Bärenschulter.
2. Umdrehen, Abdecken, Nach-unten-pressen, und Ziehen der ersten Hand hat keine Kraft.
3. Die herauskommende Faust der zweiten Hand ist zu langsam und zu angespannt.
4. Die Hand kommt vor dem Schritt an.
5. Der untere Abschnitt des Körpers ist zu leicht. Die Füße haben keine Wurzel.
6. Beim Nach-vorne-kommen und Kraft aussenden sinkt das Zentrum nicht sondern fliegt in Gegenrichtung weg.
7. Die Fünf Energien und Sechs Verbindungen fehlen.
8. Es wird nicht so trainiert, als ob ein Gegner gegenüberstünde.

Zuan Quan Anforderungen:

Zuan Quan ist eine der „drei alten Fäuste“ des Xingyiquan. Es wird hauptsächlich eingesetzt, um die Augen,Nase, Mund, und Halsgegend des Gegners anzugreifen. Vor dem Beginn der Übung müssen die Grundlagen der Santi Form gut begründet sein. Die erste Hand bei Zuan Quan ist eine sich-drehende Handfläche mit einwärts wickelnder Kraft. Der Unterarm bildet einen 45° Winkel während er nach unten presst und nach innen zieht. Die physische Kraft beider Hände und beider Füße muss gleich sein. Das Herausbringen der zweiten Hand beginnt mit dem Bilden einer halbgeschlossenen Faust der unteren Hand. Vom Qihai-Punkt steigt diese zum Solar Plexus. Dann geht sie über das Handgelenk der ersten Hand hinweg in Richtung nach vorne. Winden, Herumdrehen, Rütteln/Schütteln. Der Schlag, wenn er herauskommt, ist kompromisslos. Der feste Punkt des Schlags ist der vordere Teil des Gesichts der Faust. Bei jeder Technik (fallend und steigend) müssen beide Hände und Arme mit drillender, wickelnder, umdrehender, windender, rüttelnder/schüttelnder, und kompromissloser Energie herausschnellen und schlagen. Der steigende Schritt ist wie den Boden zu pflügen. Das Auftreten ist wie auf Schlamm auftreten. Der fallende Schritt ist wie auf eine giftige Schlange treten. Es erhöht die Lebendigkeit um ein hundertfaches. Alleine so üben, als ob ein Gegner da wäre. Wenn ein Gegner da ist, dann so als ob da niemand wäre.

Methoden der Korrektur:

1. Zuerst muss das Bilden einer Brücke mit der Bärenschulter-Methode von der Methode des Schlagens mit Zuan Quan unterschieden werden.
2. Mit der Vorstellung mehr Schwerheit zu der horizontalen, bedeckenden, zurückkommenden, nach-unten-pressenden, und ziehenden Kraft der ersten Hand hinzufügen.
3.Wenn die zweite Hand herauskommt, muss der Kopf der Faust graduell von halb-greifend zu fest-greifend beim Erreichen des Endpunkts gewechselt werden.
4. Verbessere die Schnelligkeit des Vorwärts-Schrittes.
5.Übe viel die Drachenform, um den unteren Teil des Körpers zu stärken.
6. Beim Vorwärts-Schritt mit der auftretenden Energie muss das Gewicht um einen Zoll nach unten fallen.
7. Übe ausgiebig auftretende, stoßende, einwickelnde, windende, pressende, und kompromisslose Energien und ebenso die Koordinierung der inneren und äusseren Verbindungen.
8. Komme dahin, die Übungsmethode und die Funktionale Methodik zu verstehen. Dann trainiere mit einem Partner. Wenn die Aktionen akkurat sind, weiter die Solo-Übungen praktizieren.
9. In jeder Technik muss das Herauskommen und Zurückkommen der Schläge nachdrücklich, wild, plötzlich, giftig, und vernichtend sein.

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Bengquan

Beng Quan Probleme:

1. Beng Quan wird zu einem gerade herausschiessenden Schlag.
2. Dem Umwenden, Bedecken, und Zurückziehen der ersten Hand fehlt es an Kraft.
3. Der Oberkörper lehnt und der Schwerpunkt ist nicht stabil.
4. Die Schultern sind nicht gesunken, oder die Ellenbogen nicht schwer oder der Schritt nicht geschlossen oder die Knie nicht fest (vom umliegenden weichen Gewebe) eingewickelt.
5. Die Hand kommt vor dem Fuß an. Hände und Füße sind nicht zusammen.
6. (Das Gewebe) im Unterbauch hat nicht die wickelnde Qualität. Die Schulterblätter verschieben sich nicht. Das Sitzen in den Hüften (Kua) ist nicht richtig.
7. Der Oberkörper ist zu hart und der Unterkörper ist zu weich.
8. Die Lebendigkeit ist nicht gesammelt. Die Augen sind ohne Geist.

Beng Quan Anforderungen:

Beng Quan ist eine der „Drei Alten Fäuste“ des Xingyiquan. Es wird auch „Jian Quan“ (Stampfende Faust) genannt. Stampfende Faust ist wie ein rennendes Pferd. Die Form von Beng Quan ist wie ein Pfeil. Hauptsächlich werden der Solar Plexus, die Rippen, und der Bauchbereich geschlagen. Der starke Punkt des Schlags ist die Vorderfläche des Gesichts der Faust. Die erste Hand wird von einer Faust zu einer Handfläche. Sie überdreht und windet zur Innenseite. Wende Kraft an beim herunterpressen und hereinziehen der gegnerischen Faust. Die zweite Hand steigt vom Qihai-Punkt und kommt zum Solarplexus hoch. Sie passiert das Handgelenk der ersten Hand und wird nach vorne heraus gebracht. Der Schlag dreht, verlagert, federt, und rüttelt beim herausbringen. Die Idee ist es, durch die Wirbelsäule hindurch zu dringen. Das Zentrum der Kraft ist im Unterbauch und erreicht fortlaufend beide Hände und beide Füße. Die Augen haben einen giftigen Blick. Die Hände sind unberechenbar. Die Füße müssen schnell sein. Der Körper muss stabil sein.

Methoden zur Korrektur:

1. Die Hände müssen wechselseitig einwärts rollen und auswärts rollen.
2. Bei jeder Technik müssen beide Arme mit drillender, einwickelnder, über-drehender, drehender, elastischer, und rüttelnder Kraft kommen und gehen.
3. Mehr Kraft auf die abdeckende Hand geben, wenn sie herein zieht.
4. Egal ob in Ruhe oder Bewegung, es muss sicher sein, daß der Schwerpunkt nicht lehnt.
5. Rigoros Santi in Übereinstimmung mit den Anforderungen üben.
6. Die Kraft und Geschwindigkeit der Beine erhöhen.
7. Benutze die Kraft aus dem Verdrehen des Unterbauchs. Beide Schultern müssen aufeinander abgestimmt sein und beide Hüften gegenseitig abwechseln.
8. Den Oberkörper weicher machen und den Unterkörper fester machen.
9. Die Kraft der Augen konsolidieren und die Vitalität nach oben steigen lassen.

Drachenform (Long Xing), wichtige Punkte:

  1. Der Körper steigt zu langsam auf
  2. Die Qinna-Methoden werden nicht verstanden
  3. Dem Kick mangelt es an Kraft und er entspricht nicht dem Standard.
  4. Der Schwerpunkt des herabfallenden Körpers ist nicht stabil.
  5. Das herabfallen geht nicht tief genug.
  6. Beim herunterkommen fehlt es an kombinierter Kraft.
  7. Die Positionen von Hand und Fuß sind nicht abgestimmt.

Drachenform Anforderungen:

Die Drachenform ist in erster Linie eine Methode zur Anwendung von Qinna. Ausdauerndes Üben der Drachenform kräftigt das untere Basin und die natürliche Lebendigkeit. Das hochkommen muss wie ein Blitz, das herabfallen sein wie der Donner. Die hochkommende Hand bildet die Brücke, packt zu, twistet, und zieht. Die andere Hand schiebt nach vorne und presst nach unten. Der hochschnellende Fuß ermöglicht Sprünge und Tritte mit dem Ziel schmerzhafte Verletzungen anzurichten, um die Kraft desrArme des Angreifers zu schwächen. Achte darauf wie die Kraft sich zerstreut, dann können die Qinna-Methoden effektiv angewendet werden. Dies erfordert, den Angreifer an der Schulter zu packen und ihn zu Boden zu drücken. Dem kann er nichts entgegensetzen.

Methoden zur Korrektur:

  1. Die Gelenke der Beine müssen vollständig geöffnet und kontrollierbar sein. Widme der natürlichen Agilität mehr Beachtung.
  2. Verbessere die physische Kraft der Beine, verbessere die Geschwindigkeit beim hochkommen des Körpers.
  3. Mit der herauskommenden Hand musst du zuerst die Brücke bilden, dann zupacken, winden und ziehen. Gleichzeitig drückt die andere Hand nach vorne und presst nach unten.
  4. Der Tritt mit dem Fuß muss akkurat und mit Kraft ausgeführt werden. Setze einen federnden Tritt ein, nicht einen schlenzenden. Ziele sind die Knie, Hüfte, Bauch, Genitalien, Rippen, Herzgegend, etc. Den starken Punkt bildet die Ferse.
  5. Beim herabfallen werden beide Beine mit Kraft eng geschlossen. Oben und unten, benutze die Kraft des Körpers zum einfalten, 1000 Pfund fallende Kraft.
  6. In der fallenden Position berührt das Knie den Boden, das Gesäß sitzt auf der hinteren Ferse, die hintere Hand ist vor den Rippen, 20 cm vom Boden.
Kategorien Trainingsmethoden

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